Schwester Joela Krüger

Wochenimpuls – Ehre Seines Namens!

BRINGT IHM DIE EHRE SEINES NAMENS!

„Geheiligt werde Dein Name!“ – Weil Jesus diese Bitte allen anderen Bitten im Vaterunser vorangestellt hat, muss sie von besonderer Bedeutung sein – sogar noch wichtiger als die Bitte um das Kommen Seines Reiches und die Vergebung unserer Schuld. Doch in diesem Gebet, das bis heute die unterschiedlichen Richtungen und Traditionen der Christenheit vereint, berührt uns die erste Bitte vielleicht am wenigsten. Ob es damit zu tun hat, dass sie uns mehr als die anderen unmittelbar vor Gottes Heiligkeit stellt?

Um welchen Namen kreisen wir?

Wie steht es um die Ehrung und Heiligung Seines Namens in unserem Leben? Wer sich gut genug kennt, weiß, dass wir geradezu seismografisch auf die Ehrung und Anerkennung unseres eigenen Namens bedacht sind. Viel Kreisen um sich selbst, Sorgen, unterschwelliges oder offenes SichÄrgern, Argumentieren, Empfindlichkeiten und Spannungen ließen sich erheblich reduzieren, wenn es uns allein um die Ehrung Gottes ginge. „Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt, und die Ehre, die von Gott allein ist, sucht ihr nicht?“ (Joh. 5,44) Mit dieser Frage trifft uns Jesus mitten ins Herz. Eigentlich sollte es nur einen einzigen Namen geben, der unsere ganze Aufmerksamkeit und Herzensbeteiligung beansprucht.

„Ich bin der Ich bin“ – ist Sein Name. Gott verändert sich nicht. Er gibt Seine Ehre keinem anderen. Sein Name ist untrennbar mit Seiner Heiligkeit verbunden und Seinem jüdischen Volk sogar so heilig, dass sie ihn nicht einmal auszusprechen wagen.

Auch im Neuen Testament ruft eine Begegnung mit der Heiligkeit Gottes Erschrecken hervor – unser Gott des Trostes und Vater der Barmherzigkeit ist und bleibt „verzehrendes Feuer“. Dem Erschrockenen aber gilt Sein Zuspruch: „Fürchte dich nicht!“

Haben wir Ihn für nichts geachtet?

„Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth; alle Lande sind voll seiner Ehre.“ (Jes. 6,3) – Unser Land ist nicht erfüllt von Seiner Ehre, sondern erfüllt und schwer belastet von Lästerungen und Verunehrungen Gottes – Tag und Nacht, so zahlreich, dass wir nicht mehr imstande sind, darauf entsprechend zu reagieren.

Zu unserer persönlichen Reaktionsunfähigkeit hat eine Verkündigung beigetragen, die seit Jahrzehnten ausschließlich Gottes bedingungslose Liebe betont. Wohl ist Gottes Barmherzigkeit, Güte, Gnade, Liebe, Langmut und Geduld nahezu grenzenlos. Doch es gibt eine Grenze, die sich umso leichter überschreiten lässt, weil wir sie nicht mehr kennen. Unter dem Vorzeichen christlicher Nächstenliebe und Toleranz wurde unser Gott zu einem ausschließlich Liebenden, der großzügig sanktioniert, nichts bestraft, der durch nichts zu betrüben und erst recht durch nichts zu erzürnen ist. Auch wenn wir viel Trost und Ermutigung nötig haben, dürfen nicht grundsätzlich alle Ermahnungen und Warnungen ausgeblendet werden, sonst enden wir in einer lebensgefährlichen Selbsttäuschung.

Gott ist anders

Vor dieser falschen Sicht hätten uns bereits die Zehn Gebote vom Sinai warnen können. Gleich nach dem ersten Gebot folgt eines, in dem ausdrücklich von Strafe die Rede ist: „Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht“ (2. Mose 20,7). Wie viel Schuld hat sich bereits an dieser Stelle aufgehäuft – auch wenn wir geneigt sind, die langen Verjährungsprozesse als Schuldenerlass zu interpretieren? Die Ehrung oder Verunehrung Seines Namens durchzieht die ganze Geschichte Israels als Segen oder als Fluch vom ersten Buch Mose an über die Propheten bis hin zur Offenbarung des Johannes. Um Seines Namens Ehre willen hat Er Sein Volk immer neu verschont, gewarnt, das Gericht aufgeschoben, bis Er sie schließlich nach Seinem Wort gestraft hat. In der Vergangenheit hat Er so gehandelt. Und Er wird auch in Zukunft so handeln an uns, die wir zu Seinem Volk gehören dürfen.

Leiden wie zu Noahs Zeiten

Wenn es schon von der Zeit vor der Sintflut heißt, dass Gottes Herz zutiefst betrübt war (1. Mose 6,5–6) – wie viel mehr muss dieses Wort heute gelten? Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen einzig geliebten Sohn für uns dahingegeben hat. Das Opfer ist vollbracht; muss nun Sein Schmerz nicht noch größer sein als vor der Sintflut?

Wer Seine Gebote für ungültig erklärt, verlässt freiwillig die Schutzzone seines Lebens, er verliert zunehmend den Halt und schließlich ganz den Boden unter den Füßen. Darum ist die Freude im Himmel so groß, wenn nur ein einziger Sünder von seinem falschen Weg umkehrt, zurückfindet und Buße tut! Doch entsprechend groß wird auch die Traurigkeit im Himmel sein über all die vielen Sünder, die sich selbst so „richtig“ finden, dass sie keine Umkehr nötig haben.

Mitten unter uns

Wenn Jesus Christus gestern und heute und in Ewigkeit derselbe ist, dann leidet Er auch heute. Der triumphierende Sieger von Golgatha segnet uns nicht aus der Entfernung, sondern ist uns näher als der liebste Mensch. Er ist berührt von unserem Verhalten, Er leidet mit uns und leidet um uns, Er tritt immer noch vor dem Vater im Gebet für uns ein und wartet immer noch darauf, dass auch der letzte Feind besiegt zu Seinen Füßen liegt.

Unvorstellbar ist die Strafe für den, „der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes für unrein erachtet, durch das er geheiligt wurde, und den Geist der Gnade geschmäht hat“ (Hebr. 10,29). Sein erlösendes Blut ist hochheilig. Hochheilig ist auch Sein Name, der am Kreuz über Ihm geschrieben steht: „Jesus von Nazareth, König der Juden“. Wird dieser allerhöchste Name in unseren Gemeinden angebetet, ausgerufen, geehrt und erhoben? Millionenfach wurde in unserem Land einem anderen Namen zugejubelt, und Heil und Rettung von einem Judenhasser erwartet. Sollten wir nun nicht umso mehr den König der Juden ehren und anbeten? Das könnte zur Umsetzung unserer Bitte gehören: „Geheiligt werde Dein Name!“

Die Stärke Davids

Als David wagte, den menschlich völlig aussichtslosen Kampf gegen Goliath anzutreten, war sein einziges Motiv, dass dieser Philister die Ehre Gottes angegriffen hatte. Darum gab Gott ihm den Sieg! Nichts entmachtet Satan so sehr wie die Ehrung, Heiligung und Verherrlichung von Gottes Namen. Nichts schwächt die Gemeinde so sehr, als wenn ihr das Empfinden für die Verunehrung und Verlästerung Seines Namens abhandengekommen ist.

Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächten und Gewalten unter dem Himmel. Dass eine unsichtbare Welt vorhanden ist, weiß heute jedes Kind. Fast jeder hat jederzeit Zugriff in die unsichtbaren elektronischen Bereiche und sucht sich aus, womit er seine Zeit verbringt. Fortlaufend werden Signale gegen Gott ausgesandt, die dem Fürsten dieser Welt legale Anrechte sichern, die er in vollem Maß auszunutzen weiß. Der Kampf wendet sich immer direkt oder indirekt gegen unseren Herrn und Schöpfer, der der Gott Israels ist. Ob es um den Einsatz für das Leben der Ungeborenen geht oder um den Kampf gegen den Antisemitismus – es geht dabei um Gott selbst und Seine Ehre.

Wiederholter Turmbau

Der Mensch hat Gott als Herrn und Schöpfer in unaussprechlicher Hybris aus seinem Denken ausgeschaltet – Ihn weitgehend „abgewählt“. Der Mensch ist dabei, den „Neuen Menschen“ selbst zu schaffen: Zu bestimmen, ob und mit welchen Eigenschaften ein Kind leben soll oder nicht, es möglichst schon vom Labor her zu überwachen – zu entscheiden, ob es mit Vater oder Mutter oder mit verschiedenen Vätern oder Müttern aufwachsen soll – selbst zu bestimmen, wie gelebt und wann gestorben wird. Der Mensch rettet bedrohte Tierarten und will durch Umweltschutz den ganzen Planeten Erde retten, Kriege verhindern und Frieden schaffen. Nichts scheint ihm mehr unmöglich zu sein. Auch wenn alle Anstrengungen und Errungenschaften dem Wohl der Menschheit dienen sollen, werden sich viele zuletzt als selbstzerstörerisch erweisen. Wie beim Turmbau zu Babel wird Gott eingreifen, weil der Mensch sich an Gott vergriffen hat.

Die Macht der Minderheit

Die größten Siege für Gott erringt immer die „kleine Herde“, die das Wohlgefallen des Vaters hat und der Er darum Sein Reich verspricht. Diese kleine Herde wird vor den Augen der Welt immer eine lächerlich kleine, von vornherein unterlegene Minderheit sein. Wenn wir aber erfasst sind von der leidenschaftlichen Liebe zu unserem verachteten Herrn, sind wir für den Feind „gewaltig und furchterregend wie ein Heer“ – so wie die Braut im Hohelied beschrieben wird (siehe Hld. 6,4.10). Sie bringt den Feind zum Erschrecken und jagt ihn in die Flucht.

Die Minderheit – und wenn es nur ein einzelner ist – hält wie ein Mose die Schmach Christi für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens, und wird bereit sein, auch außerhalb des großen kirchlichen Lagers zu leiden (Hebr. 11,26 u.13,13). Welch ein gewaltiger Auftrag! Ganz gleich, wie wenig erfolgreich oder effektiv sich dieser Auftrag nach außen hin auswirkt, wir wollen dafür leben, dass Gott gesehen, erkannt und geliebt wird, und wir wollen Ihm etwas von dem zurückgewinnen, was Ihm geraubt und verwehrt worden ist – die Ehre Seines Namens!

Sr. Joela Krüger, 10.1.18

Auszug aus: GEHEILIGT WERDE DEIN NAME – Über den unvergleichlichen Gott der Christenheit, SJ26

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